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Am Ende ein Anfang
von Friedhelm Weidelich
Keine Jubelpostille, sondern eine Zeitschrift für die Leser
Wer eine Zeitschrift für eine kleine Zielgruppe macht, lässt sich auf ein Abenteuer ein. Denn zu den redaktionellen Arbeiten in der damals weitgehend unprofessionell agierenden Modellbahnbranche kommt die Aufgabe, alles druckreif zu machen und mit der Hilfe von Vertriebsagenturen an Kioske und in die Modellbahn-Läden zu bekommen. Das alles kostet richtiges Geld. Vom Kaufpreis im Laden bleibt etwa die Hälfte übrig, nicht verkaufte Hefte wandern ins Altpapier. Also braucht man Abonnenten und ordentlich Werbung. Und einen Verlag.
Als Hajo Gilbert Ende 2002 mit der Idee auf mich zukam, eine Gartenbahn-Zeitschrift machen zu wollen, musste ich nicht überredet werden. Praktische Erfahrungen hatte ich mit meinen Gartenbahnen gesammelt und vor allem Modelle nach amerikanischen Vorbildern auf Schmal- und Normalspur gekauft. Die beiden deutschsprachigen Zeitschriften waren aus journalistischer Sicht nicht ernstzunehmen, wenn auch recht erfolgreich, und für LGB gab es eine „Depesche“, die sich als Firmenzeitschrift hymnisch den LGB-Produkten widmete.
Und dann gab es noch in den USA die Zeitschrift Garden Railways, die fantastische amerikanische Anlagen präsentierte, aber außer einem Anzeigenfriedhof und kritikfreien Besprechungen wenig zu bieten hatte. Unsere Gartenbahn-Zeitschrift sollte besser und vielfältiger werden. Während Hajo am Design und mit seiner Frau an den Themen Verlag, Vertrieb, Preisbildung und anderen Notwendigkeiten arbeitete, entwickelte ich inhaltliche Konzepte. Die wurden diskutiert, erweitert, angepasst und ergänzt und dazu ein passendes Design entwickelt. Dann wurde ein Zeitpunkt für den Start bestimmt, nachdem Vertrieb, Preis und Name der Zeitschrift feststanden: Gartenbahn profi. Als Abgrenzung zu Vorhandenem und natürlich als Anspruch. Schließlich waren wir beide Journalisten mit reichlich Erfahrungen als (Chef-)Redakteure.
Start im April 2003
Dank guter Kontakte haben wir es geschafft, auf Anhieb viele Highlights im ersten Heft zu versammeln: ein Fotowettbewerb, ein Interview mit den LGB-Führungskräften, mit Aristo-Craft-Chef Lewis Polk und dem Märklin-Geschäftsführer Paul Adams, patinierte amerikanische Modelle, eine fantastische RhB-Anlage auf einem Waldgrundstück im Sauerland, Einsteigertipps für die erste Gartenbahn – und auf dem Titel und im Heft die nagelneue IIm-Tenderlok 99 193 von Dingler. Diese hatte ich mit äußerster Vorsicht auf meiner Gartenbahn ausprobiert und fotografiert. Sie lief fantastisch und hatte eine für Gartenbahnmodelle bis dahin unbekannte Detaillierung.
Adams hielt die Spur-1-Modelle von Märklin damals übrigens für durchaus gartenbahntauglich, wenn man mehr Verschleiß beim Betrieb einkalkulierte. Damals kamen die Maxi-E44, eine E 91, neue Schnellzug- und Güterwagen neu ins Programm. Die zum Teil aus Blech gefertigten Maxi-Modelle waren der Versuch, LGB etwas entgegenzusetzen. Wie ja auch die Spur 1 bei Märklin ursprünglich eine Reaktion auf die neuen Gartenbahnen von LGB war. Am Anfang konnten die Spur-1-Modelle sogar den 60-cm-Radius befahren, den LGB – zwischenzeitlich pleite und dann von Märklin übernommen – bis heute beibehalten hat.
Das erste Heft im April hatte die Nummer 3/2003, weil wir sechs Ausgaben im Jahr geplant hatten. Weil Hajo Gilbert schon mehrfach Chefredakteur gewesen war, überließ es mir die Chefredaktion. Vier Jahre machte ich mit viel Engagement und Freude den Job und blieb nach einem gesundheitlich bedingten Rückzug noch eine Weile Mitherausgeber. Über ein amerikanisches Forum und einen Kontakt nach Kanada hatte ich tolle Anlagen und erstklassig patinierte Modelle gefunden. Manche Autoren blieben trotz ihres hohen Alters dem Gartenbahn Profi bis heute treu. Das Abenteuer war geglückt.
Kritische Modellvorstellungen für die Leser
Was in der Modellbahnszene neu war, war unsere Art der Besprechung von Modellen. Hier wurden nicht Pufferhöhen auf Zehntelmillimeter genau gemessen. Wir achteten auf Fahreigenschaften, die speziellen Konstruktionen für viel zu enge Radien und stellten die LGB-Philosophie in Frage, bei der Vorbilder von Schmalspur- und Normalspur-Bahnen mit dreierlei Maßstäben fuhren: einheitlich breit, gestaucht, mit Verkürzungen in der Länge und einer Bandbreite von 1:18 bis 1:32 in einem einzigen Fahrzeug. Vieles war Spielzeug, auch wenn sich mit der Zeit neue Ansätze herausbildeten. Anfangs nicht vorgesehene Vorbildberichte, ausführliche Tests und Tipps zu Digitalanlagen und viele neue Anbieter machten die Zeitschrift mit der Zeit noch bunter und vielfältiger. Schon nach zwei Jahren hatten wir fast 10.000 Leser in 22 Ländern.
Wir machten uns bei den Gartenbahn-Herstellern mit kritischen Besprechungen nicht nur Freunde. Doch die konsequente Orientierung an einem Produkt für den Leser und nicht Liebedienerei bei Anzeigenkunden verhalf dem Gartenbahn Profi, der in sieben Ländern vertrieben wurde, zum Erfolg und machten ihn zur führenden Zeitschrift. Nun ist nach 23 Jahren aus familiären Gründen und altersbedingt Schluss mit dem Printprodukt.
Künftig online
Doch es geht online weiter. Denn Zeitschriften gehören überall zum Auslaufmodell. 2020 gab die in hoher Auflage verbreitete Garden Railways in den USA auf, weil der Anzeigenmarkt zusammengebrochen und Hersteller aufgegeben hatten. Der Markt war gesättigt und die Kundschaft im Rentenalter.
Hierzulande hat die Gartenbahn ein jüngeres Publikum, das von LGB, Piko, Kiss und einigen anderen Firmen gut bedient wird. Doch Jüngere kaufen keine Zeitschriften, sie nutzen das Internet.
Insofern ist es konsequent, wenn der Gartenbahn Profi ab August vierteljährlich als eMagazin erscheint. Die Druck- und Vertriebskosten fallen weg, das Magazin ist überall per Internet verfügbar. Und natürlich wird es nicht kostenlos sein. Denn wer seine professionellen, aufwändig erarbeiteten Informationen und Arbeitsergebnisse verschenkt, entwertet sie und verzichtet auf Wertschätzung und eine wenigstens halbwegs angemessene Bezahlung.
Auch spur1info beweist seit fast 12 Jahren: Leser, die bereit sind, für ein gut gemachtes, unabhängiges Online-Magazin zu bezahlen, haben auch das Geld für den Kauf von Modellen. Auf diese Zielgruppe kommt es letztlich an.
Ich wünsche dem Online-Gartenbahn-Profi viel Erfolg beim Neu-Start im neuen Online-Gewand.


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